Erzählcafé in Bruchhausen-Vilsen

Christine Schröder und Doris Wieferich. Foto: Buentemeyer, Kreiszeitung
Christine Schröder und Doris Wieferich. Foto: Buentemeyer, Kreiszeitung

Am Freitag, 25.11.2011, dem internationalen Tag „Nein gegen Gewalt an Frauen“ hatte die Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, Christine Schröder, zu einem Erzählcafé eingeladen. Zehn Zuhörerinnen, darunter auch einige Ratsfrauen waren erschienen. Im Mittelpunkt stand ein Referat der Leiterin des Diepholzer Frauenhauses, Doris Wieferich, über das niedersächsische Modellprojekt „Bürgermut tut allen gut“. Dieses Modellprojekt mit dem Schwerpunktthema „Häusliche Gewalt“ läuft seit einem Jahr in Barnstorf.

 

Wegschauen oder genauer hingucken? Vor dieser Frage stehen Mitbürger, wenn sie in der Nachbarschaft ungewöhnlichen familiären Lärm hören und ihnen offensichtlich verstörte Kinder begegnen. Dann ist der Grat zwischen Neugierde und Betroffenheit sehr schmal. Soll man eingreifen oder lieber wegschauen?

Wer sich entschließt einzugreifen, steht vor dem Problem, nicht zu wissen, in welcher Form dies möglich ist, ohne die Intimsphäre der Nachbarn zu verletzen oder dass das Eingreifen als unberechtigtes Einmischen missverstanden wird.

Hier setzt das Modellprojekt „Bürgermut tut allen gut“ ein. Nachbarschaften sollen befähigt werden, Hilfe und Schutz zu bieten, die Opfer sollen Solidarität erfahren, Tätern muss ein Unrechtsbewusstsein vermittelt werden. „Couragiertes Handeln bedeutet nicht, Heldentaten zu vollbringen“, erklärte die Referentin, die in der Modellkommune Barnstorf seit einem Jahr erfolgreich für dieses Projekt wirbt und bereits von zahlreichen Multiplikatoren unterstützt wird. 16 Männer und Frauen wurden bereits zu „zertifizierten Mutbürgern“ geschult. In Schulen und Vereinen wurden sie angeworben, bei Festen und Feiern informierte die Gruppe über ihre Arbeit, mehrsprachige Flyer wurden verteilt. Doris Wieferich stellte fest, dass ein hoher Bekanntheitsgrad dieser Gruppe bei den Betroffenen die Berührungsängste mindert und die Hemmschwelle senkt, sich zu öffnen.

Daraus ergab sich die Frage, wie Erfahrungen und Arbeitsformen aus Barnstorf sich auf Bruchhausen-Vilsen übertragen lassen. Christine Schröder berichtete von 18 Fällen häuslicher Gewalt in der Samtgemeinde, die sie 2010 bearbeitete. Sie weist sie ausdrücklich darauf hin, dass ein vertrauliches Gespräch bei ihr nicht zwangsläufig zu einer Anzeige bei der Polizei führt. Vielmehr betrachtet sie diese Gespräche als „Brücke zwischen Erstkontakt und einer Beratungsstelle“.

Teile des Barnstorfer Modellprojektes wie die „Mutbürger-Schulung“ sollten auf jeden Fall auch auf Bruchhausen-Vilsen übertragbar sein. Die anwesenden Ratsfrauen beschlossen, sich noch in diesem Jahr zu treffen, um das weitere Vorgehen zu beraten, so dass die damit verbundenen Kosten noch in den Haushaltsplan 2012 einfließen könnten. Dabei möchten sie erreichen, dass dieses Projekt durch die Gemeinde in ähnlicher Form finanziert wird wie die „Streetwatcher-Ausbildung“.

 

Text: Buentemeyer, Kreiszeitung

 

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